Wort für den Tag - 21. April 2021

Auf Zukunft angelegt

Auf unseren Fensterbrettern stehen seit einigen Tagen Unmengen an kleinen Blumentöpfchen. Der Frühling vorm Fenster hat es bisher noch nicht zugelassen, dass man sich damit bereits nach draußen gewagt hätte. Wer weiß, ob er nicht noch einmal zurückkehrt, der Frost? Überhaupt – was für ein Frühling ist das eigentlich dieses Jahr, warum kann zu allem Coronaärger nicht wenigstens Sonne und Wärme unsere Herzen erfreuen? Wenn schon sonst die Aussichten eher trist und grau sind?
Zurück zu meiner Fensterbank. Da tut sich was. Jeden Tag schieben sich die Kinder den Sessel ans Fenster und klettern hinauf, um zuzuschauen, was da so passiert. Und tatsächlich: es geht los. Am Anfang kaum zu erkennen - ist das nur ein Krümel, oder Unkraut, oder ein erstes Stückchen Grün, was da sprießt? Und dann nicht mehr zu übersehen: es wächst. Halme und Blättchen und Stengel streben unaufhaltsam empor, richten sich nach der Sonne aus. Den Töpfchen, aus denen noch nichts wächst, reden die Kinder gut zu. „Komm schon, du schaffst es!“
Es ist eine große Freude, den Frühling so vor Augen zu haben. Leben beim Entstehen und Wachsen zuzuschauen. Und zu ahnen: Da wird was Großes draus. Irgendwann werden wir hier am Esstisch sitzen und die Tomaten, die Paprika und die Gurken essen, deren Ursprung hier gelegt ist.
Die Kinder haben die Bildchen von den Samentütchen aufgehoben und in die Kästen gesteckt. „Das ist der Kohlrabi, guck mal Mama, der Kohlrabi ist gewachsen!“
Es ist so simpel. Und doch braucht man nicht mehr, um das Wort „Zukunft“ zu beschreiben. Nichts Anderes sehe ich, wenn ich am Fensterbrett stehe: Ich sehe Hoffnung, und ich sehe Zukunft. Keine ohne Hindernisse, keine frei von Leid. Denn das eine oder andere Blättchen wird brechen, wenn wir sie in den Garten bringen, eine Raupe wird Löcher hineinfressen, Kälte wird den kleinen Halmen zusetzen. Trockenheit wird sie im Sommer quälen. Aber wir werden uns um sie kümmern, so gut wir können. Und sie werden Früchte tragen. Und das werden wir auch.

Johanna Stein

Wort für den Tag - 20. April

Ein Zuhause

Jetzt im Frühling, wenn die warmen Sonnenstrahlen die Natur langsam zum Leben erwecken, können wir die Vögel auf ihrer Suche nach einem guten Nistplatz beobachten. Er soll Schutz bieten und zugleich der Platz für ein warmes Nest werden. Bei uns im 5. Stock in der GutsMuthsstraße haben zwei Spatzenpärchen einen solchen Platz hinter der Verkleidung über den Dachgauben gefunden. Dorthin  bringen sie unermüdlich kleine Äste und weiches Polstermaterial und richten sich ihre „Wohnung“ ein.

 „Der Vogel hat ein Nest gefunden und die Schwalbe ein Nest für ihre Jungen - deine Altäre, Herr Zebaoth, mein König und mein Gott. Wohl denen, die in Deinem Hause wohnen. “ (Psalm 85,4.5)

 Gott bietet uns Nestwärme und ein Zuhause. Auch und gerade in Zeiten der Dürre, bei Krankheit, in Not und Verzweiflung ist er für uns da.

Was ist dabei meine Aufgabe? Diesen besonderen Raum bei Gott immer wieder suchen – auf eine Weise, die zu mir passt. In der Nähe Gottes gibt es eine ganz besondere Geborgenheit. Und ich kann Menschen davon erzählen, wie ich bei Gott offene Ohren und ein weites Herz erlebe. Ich kann dazu einladen, denn die Tür zu Gott ist auch für andere weit offen. Wem könnte ich heute einen solchen kleinen Fingerzeig geben?

Volker Klein

Wort für den Tag - 19. April

Jesus, der gute Hirte

Jesus Christus spricht: Ich bin der gute Hirte. Meine Schafe hören meine Stimme und ich kenne sie, und sie folgen mir; und ich gebe ihnen das ewige Leben. (Joh.10, 11a.27-28a)
Diese Verse aus dem Johannesevangelium sollen uns als biblischer Spruch durch die Woche begleiten.
Es ist schon etwas dran an der Lehre des Psychologen C.G. Jung, an der Lehre von den Archetypen. Da geht es um das kollektive Unbewusste, um urtümliche Bilder in unseren Köpfen; um Vorstellungsmuster, die sich von Generation zu Generation vererben und so tief und sprechend sind, dass man einerseits sofort etwas damit anfangen, andererseits aber auch lange darüber nachdenken kann.
„Der HERR ist mein Hirte, mir wird nichts mangeln…“, nicht zufällig gehört der Psalm 23 zu den bekanntesten Bibelstellen. Das Bild vom Hirten ist so eine Art Archetyp. Selbst wir Stadtmenschen von heute haben doch sofort ein Bild vor Augen – und auch ein Gefühl im Herzen – wenn wir das Wort „Hirte“ hören. Und das, obwohl wir einen echten Hirten und seine Herde vielleicht nur von Ausflügen aufs Land oder aus dem Urlaub kennen - oder aus dem Bilderbüchern unserer Kinder und Enkel. Doch ich denke, es ist nicht vorrangig ländliche Idylle, die uns bei dem Gedanken an den Hirten vor Augen tritt, sondern zuerst steht er bei uns doch für Schutz und Fürsorge und für Begleitung und Wegweisung.
Schutz und Fürsorge: Der gute Hirte stellt sich in Zeiten der Gefahr vor seine Herde. Er kennt jedes einzelne Tier und die Schafe kennen ihn. Er kümmert sich um seine Schafe, achtet auf sie und hält sie zusammen.
Begleitung und Wegweisung: Der gute Hirte führt die ihm anvertrauten Schafe zur grünen Aue und zu frischem Wasser. Er sucht ihnen Wege, die gangbar sind, und geht sie selber mit.
„Ich bin der gute Hirte“ sagt Jesus. Ich bin wie ein Hirte für euch. Meine Worte können euch Orientierung sein, damit euer Leben gelingt. Mein Leben schützt euer Leben!
Damit sprengt Jesus das Bild vom irdischen Hirten, der letztlich ja seine Schafe aus geschäftlichen, wirtschaftlichen Gründen hütet und sie schließlich zur Schlachtbank führt. Anders bei Jesus: Er selbst erleidet das, was eigentlich „den Schafen“- uns Menschen - bestimmt war. Und wie er nicht im Tod geblieben ist, so soll auch uns keine Todesmacht mehr aus seiner Hand reißen. Das ist tröstlich zu wissen angesichts all der Unwägbarkeiten in unserem Leben. Mit Jesus, dem guten Hirten, an unserer Seite können wir getrost leben - auch und gerade in schwierigen Zeiten.

Pfarrer Matthias Piontek

Wort für den Tag - 18 April

Der gute Hirte und die Wölfe im Schafspelz

Wenn ich selbst nicht mehr den Weg kenne, dann gibt es den verführerischen Gedanken, nach dem starken Mann zu rufen.

Einer, der vorangeht und führt und entscheidet. Einer, der mir das Denken abnimmt. Solange ich was zu essen habe und in die Stadien zum Fußball kann, ist alles in Ordnung. Dieses Verhalten der Masse und diese Machtfülle in einer Person endete in der Geschichte schon immer in furchtbaren Katastrophen.

Und die, die meinen, mir reichen Brot und Spiele, werden am Ende sagen, von all den Schrecken haben wir doch gar nichts gewusst.

Christus spricht: Ich bin der gute Hirte und kenne die Meinen, und die Meinen kennen mich.  Joh. 10,14

Manchmal wünsche ich mir das schon, dass mir einer den richtigen Weg zeigt und darauf achtet, dass ich ohne seelische und körperliche Blessuren durch Gefahren komme. Manchmal wünsche ich mir einen Hirten, der meine Fragen nach erfüllten und sinnvollen Leben beantwortet. Manchmal brauche ich dich, Christus, wenn ich Gefahr laufe, verloren zu gehen.

So einen Hirten, der mir das selbständige Denken nicht stielt, der mir mein Selbstbewusstsein stärkt. Ein Christus, der in mir das starke Gefühl wohnen lässt: Du bist wichtig, anerkannt und geliebt in den Augen Gottes. Du bist genau richtig!

Was weiß ich von diesem Hirten? Jesus zeigte die scheinbar verlorene Gottesliebe und lebte sie mit den Menschen, die schwer an ihren Lebensbrüchen zu tragen hatten. Oft befanden sie sich fremdgesteuert in chaotischer Lage, ohne zu wissen, wie es weitergehen kann. Sie redeten sich alles von der Seele. Jesus hörte zu. Er gab ihnen ihr Leben zurück, wofür sie geschaffen waren. Er gab ihnen ihre Identität zurück, die ihnen falsche Machthirten stahlen.

Ob Religionen oder Staatsformen, Seuchen oder Tod, mein guter Hirte täuscht mich nicht. Daraus eröffnen sich die Wege unserer Heilungen für eigenes Leben und für unsere Beziehungen. Denn ich darf in meinem Gegenüber diese Zusage Christi erkennen: Ich bin auch sein guter Hirte.

Daraus eröffnet sich aber auch, dass wir uns gut zuhören und uns unser Versagen und unsere Fehleinschätzungen nicht zerstörerisch um die Ohren hauen. Den Hirtenweg der Aufmerksamkeit und Achtung füreinander bietet Christus uns an, damit wir Wege aus Krisen finden.

Christus spricht: Ich bin der gute Hirte und kenne die Meinen, und die Meinen kennen mich. Joh. 10,14

Ich wünsche Ihnen einen gesegneten Sonntag,

Ihr Martin Staemmler-Michael

 

Wort für den Tag - 17. April

Lasst das Wort Christi reichlich un​ter euch wohnen: Lehrt und ermahnt einander in aller Weisheit.
Kolosser 3,16


Leben in einer WG

Die Abwaschberge türmen sich, die Musik dröhnt mitten in der Nacht, der Kühlschrank ist leergefressen: So kann ein Leben in einer WG aussehen, ich habe davon gehört und es zum Teil selbst erlebt. Das Schlimmste, von dem ich gehört habe, war, dass die Mietanteile nicht gezahlt wurden und eine Freundin auf den Kosten sitzen geblieben ist. Was für eine Frechheit!!
Ja, man sollte schon genau hinschauen, mit wem man zusammenzieht, wen man sich ins Haus holt. Denn mit falschen Hausgenossen lebt es sich schwer in Gemeinschaft. Auch im übertragenen Sinn.
In Gemeinschaft lebt es sich schwer, wenn Faulheit den Abwasch stehenlässt und sich nicht um seinen Dreck kümmert. In Gemeinschaft lebt es sich schwer, wenn Ungerechtigkeit den Kühlschrank leerfrisst. In Gemeinschaft lebt es sich schwer, wenn Egoismus die Musik laut aufdreht.
Wir brauchen wieder ein Gespür dafür, in welcher Gemeinschaft wir leben wollen. Und dazu gehört, sich zu überlegen, wer Mitbewohner sein soll. Ich wünsche mir eine Gemeinschaft in der Achtung und Achtsamkeit, in der Gerechtigkeit und Fürsorge, in der Dankbarkeit und Zufriedenheit wohnen.

Es grüßt Sie

Ihr Pfarrer Dr. Sebastian Ziera

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