Wort für den Tag  -  30. Mai 2020

ABGESAGT. In den zurückliegenden Wochen musste wegen der Corona-Pandemie so vieles abgesagt werden: Konzerte, Familienfeiern, Reisen, Besuche, Gottesdienste, Chorproben, Theateraufführungen, Ausstellungen...                                                                                            Das war wichtig, um die Ausbreitung des Virus einzudämmen. Aber es hat mein Leben natürlich ärmer gemacht. Und gleichzeitig empfinde ich diese Wochen als eine erfüllte Zeit. Ich nehme bewusster wahr, was mein Leben trotz aller Corona-Einschränkungen reich macht, denn nicht abgesagt sind Sonnenschein, Frühling, Zuwendung, Humor, Lesen, Musikhören, Phantasie, Hoffnung ... Vielleicht geht es Ihnen ähnlich?

Inzwischen wurden viele Einschränkungen gelockert oder sogar aufgehoben: Geschäfte und Restaurants haben wieder geöffnet, Museen und Bibliotheken können wieder besucht werden, Kinos und Theater dürfen öffnen und auch Gottesdienste können wieder gemeinschaftlich gefeiert werden. In den Sommermonaten werden wohl sogar Urlaubsreisen ins Ausland möglich sein. Ist also bald alles wieder beim Alten? Die Corona-Krise hat uns die Grenzen unserer Lebensweise vor Augen geführt. Von „neuer Normalität“ ist nun die Rede. Für viele werden wirtschaftliche Unsicherheit und finanzielle Sorgen bleiben. Der Begriff Krise bezeichnet auch den Wendepunkt, an dem sich entscheidet, ob eine bedenkliche Lage zur Katastrophe wird oder sich zum Guten wendet. Werden wir also die Krise als Chance zu einem grundlegenden Umdenken, einem positiven Wandel nutzen?

Es ist meine Hoffnung, dass in der „neuen Normalität“ für Rücksichtnahme, Nächstenliebe, Achtsamkeit, Gerechtigkeit, Freundlichkeit, Hilfsbereitschaft, Gemeinschaftssinn gilt: ANGESAGT!

Gottes Geist, dessen Kommen wir zu Pfingsten feiern, beflügle unsere Phantasie, damit wir neue Möglichkeiten und Wege entdecken. Gottes Geist, der Leben schaffende Hauch, mache uns lebendig; er stärke unsere Hoffnung und lasse uns an ihr festhalten. Gottes Geist, der Tröster, ermutige und tröste uns, wenn wir mutlos und traurig sind.

Ich wünsche Ihnen ein gesegnetes, geist-reiches Pfingstfest. Bleiben Sie behütet!

Ihr Pfarrer Matthias Piontek

 

Wort für den Tag - 29. Mai

Der schmale Grat zwischen Fürsorge und Freiheit

Die zweite Woche ist vergangen, seit die Kitas wieder für alle Kinder geöffnet haben. Ein Kraftakt für alle Beteiligten. Auf der einen Seite praxisferne und völlig unrealisierbare Vorgaben und Maßnahmen, auf der anderen Seite pädagogischer Sachverstand, personelle und bauliche Gegebenheiten und das Wohl der Kinder im Blick. Auf der einen Seite das Verantwortungsbewusstsein, die Sehnsucht nach Sicherheit und Schutz der Gesundheit von Groß und Klein, auf der anderen Seite der Wunsch, den Kindern ihre Freiheit und ihre Freunde zurückzugeben und einen Alltag ohne Flatterband im Garten, gestaffelte Klogänge, Mundschutz und lange Schlangen am Einlass.

Wieviel Sicherheit braucht Freiheit? Und wieviel Freiheit braucht ein Leben, um sich in Sicherheit zu entfalten? Wir lernen in diesen Tagen viel über diesen schmalen Grat. Wir brauchen beides. Ohne Gleichgültigkeit, aber auch ohne Angst. Wenn wir aufeinander achten und in Fürsorge und Verantwortung miteinander umgehen dann können wir ins Leben zurückkehren, mit Augenmaß und Rücksicht. Dann dürfen wir wissen: Wir tun, was in unserer Macht steht. Und wir dürfen uns darauf verlassen: Einer sorgt für das, was nicht in unserer Hand liegt. „Sorgt euch nicht um euer Leben, […] denn euer himmlischer Vater weiß, was ihr alles braucht. […] Sorgt euch nicht um morgen, denn der morgige Tag wird für sich selbst sorgen.“ In dieser Sicherheit können wir munter balancieren auf dem schmalen Grat. Er wird uns halten und wir werden nicht fallen.

Wort für den Tag - 28. Mai

Halte durch!

Viele Aufgaben und Herausforderungen erfordern einen langen Atem:Der Mann nach der Operation, der nur ganz langsam wieder auf die Beine kommt;der Flüchtling, der Deutsch lernt und schließlich eine Ausbildung machen will;die lange Bauzeit in der Heilandskirche, bis das Stadtteilzentrum ganz fertig ist und seine Pforten öffnen kann; die Kontakt- und anderen derzeitigen Einschränkungen.

Vieles im Leben ist ein Langstreckenlauf, nicht ein Sprint!

Meine Frau und ich haben das bei der Besteigung des Mount Kenya erlebt: Der Afrikaner „Duncan“ hat uns immer wieder in der ostafrikanischen Sprache Kisuaheli ermutigt und zugleich ermahnt: „Pole, Pole – Langsam, langsam! Haltet durch, ihrschafft das!“ Wenn die Luft dünn wird, ist es ein Geschenk, nicht alleine unterwegs zu sein. Dann brauchen wir den Zuspruch, das Aufmuntern und das gemeinsame Ziel.Die Bibel sagt uns, dass wir Gott als großen Ermutiger an unserer Seite haben. Das ist Ansporn und zugleich Versprechen:

„Pole, Pole! - Halte durch! – ER hält dich!“

Pfarrer Volker Klein

 

Wort für den Tag - 27. Mai

Ist die Kirche systemrelevant?

Kurz vor Pfingsten, dem Geburtstag der Kirche, treibt mich diese Frage um. Covid-19 stellt die Kirche auf dem Prüfstand. Gottesdienste, die für uns Mittelpunkt des gemeinschaftlichen Lebens sind, können nicht oder nur eingeschränkt gefeiert werden. Mund- und Nasenschutz lassen die geistlichen Lieder nur als murmelnden Klangbrei vernehmen. In der öffentlichen Wahrnehmung werden Virologen, Politiker und Wirtschafsleute befragt. Theologen sind nicht gefragt. Beim Bäcker kannst du dein Brot immer kaufen und Schlangen bilden sich vor REWE und DM.

»Der Mensch lebt nicht vom Brot allein, sondern von einem jeden Wort, das aus dem Mund Gottes geht.« Mt 4,4

Ja, es ist wichtig, wie wir uns wirtschaftlich, politisch und medizinisch aus der Umklammerung der Pandemie herauslösen.

Erster Kita-tag für meinen fünfjährigen Enkel. Auf dem Weg zur Kita fragt er seine Mutter. Ich habe Angst andere anzustecken.

Was sind ihre Befürchtungen? Welches Wort aus dem Munde Gottes brauchen Sie? Zuwendung? Behutsamkeit? Zuhören? Fürchte dich nicht? Trost? Liebe? Zärtlichkeit? Mut? Lachen? Wo diese existenziell relevanten Worte unser Leben erreichen, beginnen wir auf einer Ebene zu heilen, die unser Miteinander stärkt.  Gottes Worte sind beseelt von Zuversicht. Kirche lebt aus dieser Zuversicht. Ein systemrelevanter Schatz. Was meinen Sie?

Die Mutter hört dem Kind zu, streicht ihm behutsam über den Kopf und sagt: „Du bist doch gesund. Du brauchst keine Angst zu haben.“ Ein erleichterter und ein liebender Blick treffen sich.

»Der Mensch lebt nicht vom Brot allein, sondern von einem jeden Wort, das aus dem Mund Gottes geht.«

 

Wort für den Tag - 25. Mai

„Auf dich, HERR, mein Gott, traue ich!
Hilf mir von allen meinen Verfolgern und errette mich!“
(Psalm 7,2)

„Der läuft mir immer nach!“ Mit diesem Vorwurf gegenüber einem Geschwisterkind oder Spielkameraden kommen meine Kinder manchmal zu mir. Es ist ein unangenehmes Gefühl, auf Schritt und Tritt verfolgt zu werden, keine ruhige Minute und keinen unbeobachteten Moment zu haben.

In unserer digitalen Welt ist „Verfolgung“ in den letzten Jahren aber auch zu einem Statussymbol geworden. Wer in den sozialen Netzwerken die meisten „Follower“ hinter sich versammelt, wer sich in seinen Beiträgen am häufigsten sichtbar macht und am meisten gesehen wird, der gilt als erfolgreich, erzielt Gewinne und gewinnt an Einfluss.

Gerade in unseren Zeiten von Überwachung, Infokrieg und Verschwörungsideologien kann aber auch dieses digitale Verfolgen und Verfolgtwerden schnell zu einer beklemmenden Erfahrung werden. Da tut es gut – mit Gottvertrauen – immer einmal Abstand zu gewinnen. Von solchen befreienden Momenten erzählt etwa das Lied „Keiner“ der deutschen Rockband Madsen (www.youtube.com ) – vielleicht würde der Verfasser von Psalm 7 heute ganz ähnlich dichten...

Herzliche Grüße und eine gesegnete Woche wünscht

Ihr Konstantin Enge

 

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