Wort für den Tag - 16. Juli 2021

Zu viel, zu wenig, genau richtig?

Die einen starren an den wolkenlos blauen Himmel und sehnen sich Regenwolken herbei.

Die anderen starren an den dunkel bewölkten Himmel und hoffen, dass sich der Regen nicht über ihren Ort ergießt.

Menschen und Tiere sterben, weil das Wasser nicht ausreicht.

Menschen und Tiere sterben, weil das Wasser voll verheerender Kraft ist.

Ich - hier in Leipzig - habe das Gefühl, dass gerade alles im richtigen Maß ist: Der Auwald strotzt vor grüner, satter Pracht, keine verbrannten oder gefluteten Wiesen, in den Pfützen baden vergnügt die Vögel. Die Temperaturen bewegen sich zwischen 20 und 30 Grad, es regnet, es scheint die Sonne, alles ist in einem guten Wechsel.

Glück gehabt?

Nun, ich bin mir bewusst, dass das Glück kein zuverlässiger Partner ist.

Unser Leben ist immer im Wechselspiel zwischen Flut und Dürre, Katastrophe und Wunderherrlichkeit.

Wobei wir die Naturkatastrophen in neuem Maße hier in unseren europäischen Breiten wahrnehmen. Das Existenzielle, was von den Elementen „Erde“, „Wasser“, „Luft“ und „Feuer“ ausgeht, erreicht unser Bewusstsein in einer neuen (oder zurück kehrenden?) körperlichen Nähe.

Mir fällt das Lied aus dem Gesangbuch ein: „Himmel, Erde, Luft und Meer zeugen von des Schöpfers Ehr, meine Seele singe du, bring auch jetzt dein Lob herzu.“

Ich stutze. Irgendwas stimmt nicht. Kein Feuer, dafür Himmel.

Das glühend verzehrende, aber auch wärmende Element wird nicht besungen, dafür der Himmel, zu dem wir aufschauen - nach Wolken, Sonne, Regen, … nach Gott?

Wir glauben nicht mehr an den weißbärtigen älteren Herrn, der auf einem Wolkenthron im Himmel sitzt.

Und wir glauben ungern an einen Schöpfer, der uns den irdischen Kummer nicht erspart.

Glauben wir denn an den Schöpfer, wenn es uns so richtig gut geht? Oder haben wir es in diesem Fall dann der eigenen Kraft zu verdanken?

Ich kann die Frage nur für mich selbst beantworten: Ich glaube an den Schöpfer immer dann am stärksten, wenn ich Trost und Heilung brauche. Und auch wenn er noch nie auf meine Vorschläge zur Verbesserung meiner Lage im Verhältnis 1: 1 eingegangen ist … er hat mich dennoch nie enttäuscht. Er hat mir Geduld abverlangt und das Aushalten von Kummer, er hat mir aber auch Menschen geschickt, die mich trösten oder mir helfen, ich konnte auf vielfältige Art spüren, dass er bei und mit mir ist.

Und so kann ich, auch wenn mich die schlimmen Meldungen bedrücken und ich weiß, dass nicht jede Geschichte nach unserem Verständnis „gut ausgeht“, trotzdem voll Inbrunst die letzte Strophe es o. g. Liedes singen:

                        „Ach, mein Gott, wie wunderbar stellst du dich der Seele dar.
                        Drücke stets in meinen Sinn, was DU bist und was ICH bin.“

Um den Umgang mit Licht und Finsternis im Leben wird es auch auch im Musikalischen Gottesdienst am 22.7., 19.30 Uhr, in der Bethanienkirche gehen. Diese Schleichwerbung  ist gewollt und kostenlos :-) … denn es geht immer auch um TROST.

Herzlich, Ihre/Eure Claudia Krenzlin

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