Wort für den Tag - 11. Mai

Wenn ich in diesen Tagen versuche, voraus zu schauen, kommt mir immer wieder ein Lied aus meiner Jungen Gemeindezeit in den Sinn: „Halte deine Träume fest“ von Eugen Eckert. Es wird Sommer, das spüre ich in jedem Atemzug. Vor uns liegt die für viele schönste Zeit des Jahres, und noch nie war sie so ungewiss wie jetzt. Wir sind es gewöhnt, die Dinge im Griff zu haben, wir wollen planen und träumen, wir brauchen Perspektive und Zukunftsaussichten, um im Jetzt geborgen, standhaft und sicher zu sein und unseren Alltag zu meistern. Doch für viele ist die Frage nach Freiheit, nach Erholung, nach dem lang ersehnten Ausbrechen aus den eigenen vier Wänden zum Luxusproblem geworden. Vielleicht verbietet sie sich sogar in diesem Jahr aufgrund ganz anderer existenzieller Nöte. Und selbst wenn wir sie uns noch leisten können: Wir wissen nicht, welche Freiheit wir in diesem Sommer haben werden. Also festhalten an der lang erträumten Reise? Oder hinschmeißen? Jedes Mal, wenn mir klar wird, dass diese Entscheidung gefällt werden muss, höre ich es in mir wieder und wieder klingen: „Halte deine Träume fest, lerne sie zu leben. Gegen zuviel Sicherheit, gegen Ausweglosigkeit: Halte deine Freiheit fest.“

Ich werde nicht stornieren. Ich glaube an unsere Freiheit.

Herzliche Grüße,
Johanna Stein

Wort für den Tag - 9. Mai

Kantate! Singt! So fordert uns der morgige Sonntag auf.

„Singet dem HERRN ein neues Lied, denn ER tut Wunder.“ (Psalm 98, 1)

Was heißt das: „Singet dem HERRN ein neues Lied…“? Was ist mit „neuen Liedern“ gemeint?
Das können Lieder aus den neuen Gesangbüchern sein, Lieder von Kirchentagen, Taizé-Gesänge... Aber, so denke ich, auch die aufs Neue gesungenen alten Lieder sind die neuen Lieder, die der Psalm meint. Denn im jeweiligen Augenblick des Erklingens ist Musik, ist Gesang, immer wieder neu, immer wieder aktuell. Und auch dies kann es bedeuten: jeden Tag mit seiner eigenen Melodie annehmen. An guten Tagen frohe Lieder, in Momenten des Glücks einen spontanen Dank. Und ist es ein dunkler Tag für mich, bedrückt mich etwas, habe ich Sorgen und Angst, dann findet auch mein Klagelied ein offenes Ohr bei Gott. Ein neues Lied singen heißt auf die Melodie und den Rhythmus der verschiedenen Lebenssituationen achten und die eigene Stimme mit einbringen. Töne können ausdrücken, was mit bloßen Worten nicht zu sagen ist: Glück, Freude und Hoffnung – aber auch Trauer, Angst und Schmerz.

„…denn ER tut Wunder.“ Es gibt sie, die Wunder! Und sie zeigen sich nicht vorrangig darin, dass Naturgesetze durchbrochen werden. Nein, dazu gehört ja z.B. auch das Wunder der Liebe, das Wunder der Schöpfung – und überhaupt das Wunder des Lebens. Dazu gehört ebenso, dass Gott uns Kraft und Mut gibt auch schwierige Zeiten zu bestehen.

Kantate! Singt! Das ginge wohl auch mit Mundschutz. Doch gemeinsam dürfen wir das in den Gottesdiensten in dieser Corona-Zeit (noch) nicht tun. Dennoch soll morgen in unseren Kirchen Gottes Lob erklingen. Im Gottesdienst in der Bethanienkirche kann das sogar gemeinschaftlich geschehen – auf andere, neue Weise – wenn viele dazu einen „Klangkörper“ mitbringen. Der Phantasie sind da keine Grenzen gesetzt…!

Ein klangvolles Wochenende wünscht Ihnen
Ihr Pfarrer Matthias Piontek

Worte für den Tag - 8. Mai

Tageslosung für den 08.05.2020

Die Schwiegermutter Simons aber lag darnieder und hatte das Fieber; und alsbald sagten sie Jesus von ihr. Und er trat zu ihr, ergriff sie bei der Hand und richtete sie auf; und das Fieber verließ sie. (Markus 1,30f.)

Sie starrt an die Decke.

Es ist still und das schon so lange.

Bittere Einsamkeit.

Eigentlich müsste sie aufstehen. Aber sie kann nicht. Sie will nicht.

Wozu auch?

 

Doch dann kommt jemand.

Erst hört sie ein unbestimmtes Geräusch von draußen.

Dann Schritte auf dem Flur.

Die Tür geht auf und ER tritt ein.

Endlich.

Und er hat süße Erdbeeren mitgebracht.

 

Mit diesen Gedanken zur Tageslosung grüße ich Sie

Ihr Pfarrer Dr. Sebastian Ziera

Worte für den Tag - 7. Mai

Nun laufen wir mit Mundschutz in Geschäften herum und in der Bahn. Man sagt uns, der würde vor allem den anderen nützen, die wir nicht anstecken sollen. Die Viren in unserem Atem werden abgefangen. Das ist gut: Ich will nicht schuld sein, dass ein Mensch durch mich krank wird, auch wenn ich es vielleicht niemals erfahren würde. Das ist eine Sache von Verantwortung, im Grunde eine Art anonyme Nächstenliebe. Das Krankmachende kommt aus dem Inneren und soll gestoppt werden. Das erinnert mich an einen Hinweis, den Jesus gegeben hat. „Was aus dem Munde herauskommt, das kommt aus dem Herzen, und das macht den Menschen unrein.“ (Matthäus 15,18)
Ja, auch die Worte, die wir reden, können krank machen, uns infizieren mit bösen Gedanken. Unser Reden ist immer auch vermischt mit unseren Gefühlen, die wir gegenüber unserem Gesprächspartner hegen, also Ärger, Verachtung, Spott, Überlegen-heitsgefühl usw. Und was einmal raus ist, können wir nicht wieder zurückholen. Ich überlege, wie ein Mundschutz für solche Fälle aussieht… Haben Sie eine Idee?

Es grüßt Sie, Ihr Günther Jacob

Worte für den Tag - 6. Mai

WIR BRAUCHEN EINE PERSPEKTIVE!

Dieser Satz wird immer wichtiger. Die Mutter, die seit Wochen mit ihren kleinen Kindern zu Hause ist, kommt ans Ende ihrer Kraft. Der Gastwirt kann die verordnete Schließung nicht mehr lange durchhalten. Viele fürchten um ihren Arbeitsplatz. Sie und wir alle brauchen dringend eine Perspektive, die uns Hoffnung und Kraft gibt.

Besonders gefragt und gefordert sind dabei unsere Politiker. Heute kommen sie wieder auf höchster Ebene zusammen, um über weitere Lockerungen des Lockdowns zu entscheiden. Sie müssen zwischen den gesundheitlichen Risiken durch das Coronavirus und den wirtschaftlichen, sozialen und nicht zuletzt auch psychischen Folgen seiner Bekämpfung abwägen. Was ist nötig, was ist möglich? Eins greift ins andere. Es ist kompliziert. Zu Risiken und Nebenwirkungen...

...lässt sich keine letzte Sicherheit gewinnen. Und doch muss gehandelt werden! Wie kann allen ausreichend geholfen werden? Und was ist „ausreichend“?

Die Erwartungen an den Staat sind riesig. Seine Mittel sind groß, aber nicht unbegrenzt. Enttäuschungen werden unausweichlich sein. Das ist ein kritischer Punkt für unsere Gesellschaft. Finden wir in dieser Situation zu mehr Solidarität? Oder wird sich die Stimmung verdüstern und die Spaltung weiter vertiefen?

Hier geht es um unsere innere Perspektive...

...Perspektiven haben immer eine äußere und eine innere Dimension: das, was vor uns liegt, und das, was in uns liegt und unsere Sichtweise bestimmt. Wir sehen nicht nur mit unseren Augen, sondern auch mit unserem Herzen.

Dabei spielt der Glaube eine wichtige Rolle. Das Entscheidende an ihm sind nicht bestimmte Ideen und Vor-Stellungen, sondern der Geist und die Ein-Stellung zu dem, was uns im Leben begegnet. Die Geistkraft Gottes kann unsere Enttäuschung in Mitverantwortung, unsere Bitterkeit in Mitgefühl und unsere Angst in Lebensmut verwandeln. Die Perspektive des Glaubens tut gut.

Herzlichst,

Ihr Heinz Schneemann

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