Wort für den Tag - 2. Januar

Barmherzigkeit, Mut und Witz für das Leben

Das Jahr hat seinen Anfang genommen. Und wir richten uns in ihm aus mit unseren Wünschen und Sehnsüchte, pegeln uns ein zwischen den Vorsätzen für das kommende Neue und ihrer Realisierung.
Mir helfen in meinem Ringen um das Leben Vorbilder, also Menschen, die es irgendwie „geschafft“ haben auf die eine oder andere Weise.

Basilius der Große ist diesem 2. Januar als Vorbild zugeordnet. Einiges wird über ihn berichtet.
Hier zwei Anekdoten für das Leben. Lebenszeugnisse die von der grenzenlosen Barmherzigkeit des Basilius, seinem Mut und Witz erzählen.
Basilius stammte aus einer begüterten Familie. Die biblische Erzählung vom reichen Jüngling (Mk 10,17-27) aber konfrontierte ihn mit der Frage, wie er leben will.
So verkaufte er während einer Hungersnot seine ererbten Güter und arbeitete selbst in einer Suppenküche mit. Er behandelte die Menschen dabei alle gleich mit der Begründung: „Sie haben alle die gleichen Eingeweide.“
Basilius machte sich aber nicht nur Freunde, sondern war für manche seiner Zeitgenossen ein unangenehmer Mensch, wohl weil er wenig kompromissbereit war. Und schaffte man es nicht, ihn mit Argumenten zu überzeugen, so versuchte man es mit Drohungen.
Ein römischer Präfekt drohte Basilius, ihm die Leber aus dem Körper zu schneiden. Basilius erwiderte: „Wie aufmerksam! Da, wo sie gegenwärtig ist, macht sie mir nur Ärger.“

Basilius mit seiner Barmherzigkeit, seinem Mut und Witz sollen mich heute begleiten und mir helfen in meinem Ringen um das Leben.

Ihnen einen guten 2. Januar

Ihr Pfarrer Dr. Sebastian Ziera

Wort für den Tag – 30. Dezember

Meine Großmutter hatte einen Hang zum magischen Brauchtum. Am Silvesterabend machte sie einen Zwiebelkalender: Sie nahm zwölf Zwiebelschalen, die für die zwölf Monate des Jahres stehen, gab Salz hinein und stellte sie auf das Fensterbrett. Am nächsten Morgen beurteilte sie die verschiedenen Wasseransammlungen in den Zwiebelschalen und orakelte, wie feucht oder trocken das Wetter in den zwölf Monaten des neuen Jahres werden würde.
Ich halte nichts von diesem Aberglauben, aber mir gefällt der Gedanke, in diesen besonderen Tagen „zwischen den Jahren“ innezuhalten und einen Blick in das kommende Jahr zu werfen. Zwar lehrt uns gerade die Corona-Krise, dass sich Prognosen und alle guten Pläne von heute auf morgen zerschlagen können. Unsere Zukunft scheint im Ungewissen – wer weiß schon, was in ein paar Wochen ist? Doch gerade diese Unsicherheit kann uns Gelegenheit bieten, an Terminkalendern und To-Do-Listen vorbei nach Wesentlichem Ausschau zu halten. Kann ich, aus der gewohnten Bahn geworfen, neue Wege sehen und gar gehen? Kann ich mich in diesen „besinnlichen“ Zeiten mehr als sonst Gott und meinen Mitmenschen öffnen? Und mit welchem „Salz“ möchte ich die „Zwiebelschalen“ des kommenden Jahres füllen?

Der Du allein der Ewge heißt / und Anfang, Ziel und Mitte weißt /
im Fluge unsrer Zeiten: / Bleib Du uns gnädig zugewandt /
und führe uns an Deiner Hand, / damit wir sicher schreiten.
EG 64, 6 (Text: Jochen Klepper, 1938)

Mit den besten Wünschen für ein gesegnetes Jahr 2021,
Christiane Domtera-Schleichardt

Wort für den Tag - 29. Dezember

Die Freiheit zwischen den Jahren

Irgendwie haben wir es geschafft. Weihnachten ist überstanden. „Alle Jahre wieder […]“ fühlte sich diesmal (bei manchem vielleicht mehr als sonst) irgendwie fremdgeworden an. Vieles war ganz anders. Die Schatten unserer Kerzen waren in diesem Jahr besonders lang und vielleicht auch so tief und dunkel wie unsere von schlechten Nachrichten müde gewordenen Augen.

Das eigene Unverständnis angesichts sich überschlagender Informationsfluten; die Hilflosigkeit angesichts von Entscheidungen, die andere trafen – und das manchmal auch sorglos; die Schicksale, in die sich niemand mehr hineinversetzte; die Angst vor morgigen Ungewissheiten; die Hilfe, die nicht geleistet werden konnte; (Streit)Kultur, die zum Opfer fiel; das Gefühl, der Natur – oder wahlweise auch der Technik – unterworfen zu sein; Menschen, die verloren gingen; all das hat dieses Jahr in einer fundamentalen Weise geprägt. Nicht, weil es das nicht alles vorher auch schon gab, sondern weil es, wie lange nicht mehr, so allgegenwärtig schien: pan dēmos – eine Krankheit, die Schlechtes deutlich zum Vorschein und Menschen gegeneinander aufbringt.

Irgendwie haben wir es geschafft. Weihnachten ist gefeiert worden – und vielleicht sogar hoffentlich auch irgendwie gut. „Alle Jahre wieder […]“ trat ein fremder Gott leise in die Zwänge und Ordnungen unserer Welt, und gab uns Hoffnung, indem er sich für uns an einem der unmerklichsten Orte dieser Welt als einen Neuanfang mitteilte.

Wohlgeordnete Traditionen mussten in diesem Jahr neu überdacht werden. Verantwortung war selten so schwer zu übernehmen, weil die Folgen so schwer nur kalkuliert werden konnten. Aber Menschen müssen handeln. Das liegt in ihrer Natur. Das Jahr hat uns gelehrt, dass Handeln manchmal ein Unterlassen sein muss – sei es aus notwendigem Zwang oder tiefer Überzeugung. Aber manchmal ist genau dadurch die Möglichkeit entstanden, Neues zu probieren und Liebgewonnenes anders zu bewahren. Auch wenn es mitunter schon jetzt schmerzt, auf einiges vielleicht noch lange Zeit oder leider wohl auch für immer verzichten zu müssen. Über das Verschwinden von manchem „So-wie-immer“ ist man vielleicht auch froh – der eine sagt es so, der andere so. Das Ringen um die Konzentration auf das Wesentliche in der aktuellen Situation und darüber hinaus hat meinem Empfinden nach auch sehr viel Gutes hervorgebracht, an dem es sich festzuhalten lohnt.

Der mit weihnachtlicher Gewissheit schallende Ruf „Fürchtet euch nicht! Siehe, ich verkündige euch große Freude, die allem Volk widerfahren wird, denn euch ist heute der Heiland geboren, welcher ist Christus der Herr […]“ möge noch lange nachhallen und uns besonders in den kommenden Wochen und Monaten eine Erinnerung daran sein, dass menschliche Freiheit durch göttliche Empathie gewonnen wurde. Auf dass wir aus diesem Gedanken Segen, Trost und Kraft gewinnen, um uns gemeinsam den Problemen und Herausforderungen der vor uns liegenden Zeit zuversichtlich zu stellen und füreinander da zu sein!

Markus Eckardt

 

Wort für den Tag - 28. Dezember

Die Weihnachtsgeschichte nach Lukas endet damit, dass die Hirten weitererzählen, was sie gehört und gesehen hatten und damit einiges Erstaunen hervorrufen.  Deshalb erscheint es mir sehr angemessen, wenn auch wir uns davon erzählen: Wie war das Weihnachtfest für Sie anno 2020, im Jahr des Herrn und der Pandemie?
Ganz anders als sonst? Oder doch wie Weihnachten? Oder beides?

Für mich gilt beides: Äußerlich war sehr vieles anders. Aber auf einer tieferen persönlichen Ebene war es auch wie alle Jahre wieder: Weihnachten berührt mich wie kein anderes Fest.  Ich weiß auch warum: Weil die Weihnachtsbotschaft wie keine andere Geschichte von klein auf in mein persönliches Leben und Erleben eingezogen ist. Ja, eingezogen wie ein guter, freundlicher und einfühlsamer Mitbewohner im Haus meines Lebens.

Dieser Mitbewohner singt mit mir die wunderbaren und altvertrauten Lieder von der fröhlichen, seligen und gnadenbringenden Weihnachtszeit. Er ließ mich auch in diesem Jahr in unserem Wohnzimmer einen Adventsstern aufhängen, einen Lichterbogen mit den Figuren aus den biblischen Weihnachtgsgeschichten aufstellen und am Heiligabend einen Weihnachtsbaum mit Kerzen,  Strohsternen und silbernen Tannenzapfen schmücken. Dieser Mitbewohner bringt weihnachtliche Düfte ins Haus und schickte mir liebevolle Grüße und Geschenke.    

Er berührt alle meine Sinne. Und wenn ich manchmal etwas skeptisch bin, weil nicht alles so ist, wie es sein sollte, dann lächelt er mich an und sagt zu mir nur:
“Schau!“
Oder: „Hör doch!“
Und auch „Probier mal!“
Und immer wieder: „Komm!“.

Und ich hüte mich sehr, dann abzuwinken und zu sagen: „Jaja, ich weiß schon, aber jetzt habe ich anderes im Kopf.

Nein, ich bin sogar ein wenig süchtig danach, dass dieser Mitbewohner so zu mir kommt und mich anspricht. Eben weil es mich berührt und - fast möchte ich sagen: verzaubert. Was ich damit meine? Es mag komisch klingen, aber ich glaube und spüre, dass Weihnachten mich zu einem besseren Menschen macht!

Für jemanden, der oder die grundsätzlich alles skeptisch auseinandernimmt, klingt das wahrscheinlich sehr naiv.
Und für jemanden, die oder der, zuallererst nach dem Charakter und der Leistung eines Menschen fragt, mag das vielleicht überheblich klingen.
Trotzdem: Ich glaube und spüre, dass Weihnachten mich zu einem besseren Menschen macht!
Und das ist nichts, worauf ich stolz sein könnte. Aber etwas, wofür ich sehr dankbar bin. Ich bin dankbar dafür, dass die Weihnachtsbotschaft mein Herz öffnet. Dass mit ihr viel Wärme und Liebe in mich einzieht und mich zu guten Gedanken, Worten und Werken bewegt.

Ob das von Dauer ist? Oder ist es nur so ein Hochgefühl während der Fest- und Feiertage, das sich schon bald in Luft auflöst und verflüchtigt - ganz im Gegensatz zu dem Coronavirus, das auf dem Luftweg in uns einzudringen und uns von innen her zu zerstören droht?  
Damit ist die wohl entscheidende Frage nach der Realität und der Wahrheit und der bleibenden Bedeutung von Weihnachten heute gestellt.  Was kann ich darauf antworten?

Eine ehrliche Antwort eröffnet mir zugleich auch einen tieferen Zugang zum Wesen des christlichen Glaubens:
Mein weihnachtliches Hochgefühl ist nicht von Dauer. Und auch mein Glaube ist keineswegs von allen Zweifeln und Erschütterungen frei. Aber zum Glück ist da dieser Mitbewohner, den ich jetzt Gott nenne.

Er kommt auch auf dem Luftweg – oder genauer: auf dem Geistweg – und will, wie Jesus einmal sagte, Wohnung bei mir nehmen. Um mich zu einem besseren Menschen zu machen. Das schafft nur er - immer wieder neu - durch seine Worte und Geschichten. Und auch er fängt dabei ganz klein an: Es beginnt damit, dass er mich zu Weihnachten mit Kinderaugen anlächelt und ich – wie verzaubert – zurücklächle.

Ich bin sehr dankbar für diesen Mitbewohner und wünsche Ihnen, dass auch Sie ihn bei sich haben.
Ihr Heinz Schneemann

Wort für den Tag - 23. Dezember

Ich lade Sie ein, dieses Weihnachtsbild von Christiane Knorr zu betrachten.

Eindrücklich zeigt es, wie unser Leben von Hell und Dunkel geprägt ist.

Von den Licht- und Schattenseiten unseres Daseins.

Wie ein von dunklen Wolken verhangener Himmel, so steht es um das Gemüt eines Menschen, dem die Zukunft verbaut ist. Er sieht schwarz.

Wie viele blicken mit Bangen in ihre Zukunft, weil ihre Existenz weggebrochen ist oder neu gefährdet durch den harten Ausnahmezustand im Frühjahr und nun erneut wieder! Wo soll das noch hinführen mit diesem fiesen Virus?

Auf diesem Bild bewegt sich die Masse der Menschen im Dunkeln.. Es scheint, als würden sie aus dem Dunkel gar nicht heraus wollen. Es wäre ein trostloses Bild, wenn sich nicht aus den schemenhaften Gestalten diese Drei zu uns wendeten. Die Frau mit dem neugeborenen Kind und der schützend dahinter stehende Mann. Auf ihnen liegt das Licht. Über ihnen strahlt der Stern. Er durchbricht die finsteren Wolken. Er strahlt mit seinem Schein in alle Richtungen.

Auch die Botschaft des Christfestes hat zwei Seiten.

Da ist die legendenhaft ausgeschmückte, strahlende Nachricht von der Geburt Jesu. Einmal durch Lukas im 2. Kapitel mit den Hirten und dem Engel, der sie zum Kind in der Krippe weist.

Zum anderen bei Matthäus im 2. Kapitel. Dort folgen die Weisen aus dem Morgenland dem Stern und bringen dem Kind ihre Gaben.

Die zweite Seite ist die ärmliche Geburt in einem zugigen Stall. Und die Flucht, weil der König Herodes das Neugeborene der Asyl Suchenden töten lassen will.

Das überirdische Licht bringt mit sich die göttliche Kraft der Liebe, die stärker als alles Dunkle und Schwere ist. Hier ist es ein Mann, der zu Mutter und Kind steht. Der die Verantwortung übernimmt und sie nicht als Alleinerziehende stehen lässt.

Der Schein dieser Liebe reicht bis zu uns. Bis hinein in die auferlegte Abgrenzung; bis hinein in Einsamkeit, Krankheit und Isolation. Der Schein dieser Liebe weitet sich für uns, wenn wir sterben, zur Lichtbrücke in Gottes Ewigkeit.

Und jetzt schon hellt dieser Schein unsre müden Gesichter auf und breitet sich in uns aus . Ja, dringt nach außen, so dass wir auch unsere Mitmenschen mit neuen – vom weihnachtlichen Glanz erfüllten - Augen ansehen.

Ich wünsche uns allen gesegnete Weihnachtstage!

Rolf-Dieter Hansmann

 

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