Wort für den Tag - 28. Mai

Halte durch!

Viele Aufgaben und Herausforderungen erfordern einen langen Atem:Der Mann nach der Operation, der nur ganz langsam wieder auf die Beine kommt;der Flüchtling, der Deutsch lernt und schließlich eine Ausbildung machen will;die lange Bauzeit in der Heilandskirche, bis das Stadtteilzentrum ganz fertig ist und seine Pforten öffnen kann; die Kontakt- und anderen derzeitigen Einschränkungen.

Vieles im Leben ist ein Langstreckenlauf, nicht ein Sprint!

Meine Frau und ich haben das bei der Besteigung des Mount Kenya erlebt: Der Afrikaner „Duncan“ hat uns immer wieder in der ostafrikanischen Sprache Kisuaheli ermutigt und zugleich ermahnt: „Pole, Pole – Langsam, langsam! Haltet durch, ihrschafft das!“ Wenn die Luft dünn wird, ist es ein Geschenk, nicht alleine unterwegs zu sein. Dann brauchen wir den Zuspruch, das Aufmuntern und das gemeinsame Ziel.Die Bibel sagt uns, dass wir Gott als großen Ermutiger an unserer Seite haben. Das ist Ansporn und zugleich Versprechen:

„Pole, Pole! - Halte durch! – ER hält dich!“

Pfarrer Volker Klein

 

Wort für den Tag - 27. Mai

Ist die Kirche systemrelevant?

Kurz vor Pfingsten, dem Geburtstag der Kirche, treibt mich diese Frage um. Covid-19 stellt die Kirche auf dem Prüfstand. Gottesdienste, die für uns Mittelpunkt des gemeinschaftlichen Lebens sind, können nicht oder nur eingeschränkt gefeiert werden. Mund- und Nasenschutz lassen die geistlichen Lieder nur als murmelnden Klangbrei vernehmen. In der öffentlichen Wahrnehmung werden Virologen, Politiker und Wirtschafsleute befragt. Theologen sind nicht gefragt. Beim Bäcker kannst du dein Brot immer kaufen und Schlangen bilden sich vor REWE und DM.

»Der Mensch lebt nicht vom Brot allein, sondern von einem jeden Wort, das aus dem Mund Gottes geht.« Mt 4,4

Ja, es ist wichtig, wie wir uns wirtschaftlich, politisch und medizinisch aus der Umklammerung der Pandemie herauslösen.

Erster Kita-tag für meinen fünfjährigen Enkel. Auf dem Weg zur Kita fragt er seine Mutter. Ich habe Angst andere anzustecken.

Was sind ihre Befürchtungen? Welches Wort aus dem Munde Gottes brauchen Sie? Zuwendung? Behutsamkeit? Zuhören? Fürchte dich nicht? Trost? Liebe? Zärtlichkeit? Mut? Lachen? Wo diese existenziell relevanten Worte unser Leben erreichen, beginnen wir auf einer Ebene zu heilen, die unser Miteinander stärkt.  Gottes Worte sind beseelt von Zuversicht. Kirche lebt aus dieser Zuversicht. Ein systemrelevanter Schatz. Was meinen Sie?

Die Mutter hört dem Kind zu, streicht ihm behutsam über den Kopf und sagt: „Du bist doch gesund. Du brauchst keine Angst zu haben.“ Ein erleichterter und ein liebender Blick treffen sich.

»Der Mensch lebt nicht vom Brot allein, sondern von einem jeden Wort, das aus dem Mund Gottes geht.«

 

Wort für den Tag - 25. Mai

„Auf dich, HERR, mein Gott, traue ich!
Hilf mir von allen meinen Verfolgern und errette mich!“
(Psalm 7,2)

„Der läuft mir immer nach!“ Mit diesem Vorwurf gegenüber einem Geschwisterkind oder Spielkameraden kommen meine Kinder manchmal zu mir. Es ist ein unangenehmes Gefühl, auf Schritt und Tritt verfolgt zu werden, keine ruhige Minute und keinen unbeobachteten Moment zu haben.

In unserer digitalen Welt ist „Verfolgung“ in den letzten Jahren aber auch zu einem Statussymbol geworden. Wer in den sozialen Netzwerken die meisten „Follower“ hinter sich versammelt, wer sich in seinen Beiträgen am häufigsten sichtbar macht und am meisten gesehen wird, der gilt als erfolgreich, erzielt Gewinne und gewinnt an Einfluss.

Gerade in unseren Zeiten von Überwachung, Infokrieg und Verschwörungsideologien kann aber auch dieses digitale Verfolgen und Verfolgtwerden schnell zu einer beklemmenden Erfahrung werden. Da tut es gut – mit Gottvertrauen – immer einmal Abstand zu gewinnen. Von solchen befreienden Momenten erzählt etwa das Lied „Keiner“ der deutschen Rockband Madsen (www.youtube.com ) – vielleicht würde der Verfasser von Psalm 7 heute ganz ähnlich dichten...

Herzliche Grüße und eine gesegnete Woche wünscht

Ihr Konstantin Enge

 

Wort für den Tag - 23. Mai

Wir gehen auf ganz unterschiedliche Art und Weise aufeinander zu:
Wir können Menschen mit freundlichem Blick anschauen. Wir können ihnen einen Schritt entgegengehen, in normalen Zeiten sogar die Hand reichen.
Aber wir können auch die Arme vor der Brust verschränken oder die Hände in den Taschen stecken lassen. Wir können die Hand zur Faust ballen oder womöglich zuschlagen.

Jesus war jemand mit offenen Armen. Schon Kinder hat er in die Arme genommen. Das war den Leuten um ihn herum peinlich. Er hat es bewusst getan. „Lasst die Kinder kommen“ hat er gesagt. Und er hat noch ganz andere mit offenen Armen begrüßt: Einfache Leute, Menschen am Rande und auch solche, die es nicht verdient haben.

Nehmen wir einmal an, wir begegnen jemandem mit offenen Armen. Gleich heute. Einen Menschen, den wir im Laufe des Tages treffen. Einen, der uns vielleicht geärgert hat. Einen, der uns unterbricht oder stört. Einen, der uns befremdet. Wir brauchen ihn dazu noch nicht einmal berühren. Das geht auch mit 1,5 m Abstand. Wagen wir den kleinen Schritt der offenen Arme!

Pfarrer Volker Klein

Wort für den Tag - 22. Mai

Ein Gedicht zum Einstieg

Ich lebe mein Leben

Ich lebe mein Leben in wachsenden Ringen,
die sich über die Dinge ziehn.
Ich werde den letzten vielleicht nicht vollbringen,
aber versuchen will ich ihn.
Ich kreise um Gott, um den uralten Turm,
und ich kreise jahrtausendelang;
und ich weiß noch nicht: bin ich ein Falke, ein Sturm
oder ein großer Gesang.
(Rainer Maria Rilke)

Himmelfahrt praktisch, oder Perspektivwechsel

„Himmelfahrt“, das habe ich bisher zweimal erlebt: In einem Flugzeug abheben einmal nach Israel und einmal nach Norwegen. „Himmelfahrt“, das war für mich, gerade eben noch auf dem Boden, mit einem beschränkten Blick von 1,69 cm Höhe, und dann in wachsenden Ringen hinauf in die Weite. Und ich überblicke Leipzig und das Land, sehe Häuser, Dörfer, Städte und Länder. Und ich frage mich, was tun die Menschen da unten, was beschäftigt sie gerade und wie leben sie? Vielleicht bedeutet „Himmelfahrt“ ja gerade auch eben das: Den Kopf heben und wahrnehmen, dass da mehr ist als meine kleine Welt.

„Himmelfahrt“ war für die ersten Christen ein erster Schritt in die Verantwortung für die ganze Welt, in eine Gemeinschaft hinein, die getragen von Gott in wachsenden Ringen Verbundenheit schuf.
Und so kreise ich nicht mehr nur um mich selbst.
Diesen Auftrag werde ich wohl letztlich nicht ganz verstehen, aber versuchen will ich ihn.
Und es wird sich darin zeigen, wer ich eigentlich bin.

Ich grüße Sie herzlich

Ihr Pfarrer Dr. Sebastian Ziera

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