Wort für den Tag - 14. September 2021

Wir sind herrlich geradelt im Urlaub durch Felder, Wälder, an Seen und Wiesen entlang und vorbei an unzähligen Obstbäumen an den Straßenrändern.

Ach, da blutete mir doch ein bisschen das Herz. Übervolle Pflaumen-, Apfel- , Birnen-, Aprikosenbäume riefen mir zu „Schüttle mich, schüttle mich - wir sind allesamt reif“. Nun, das war auch ein bisschen gelogen - manche Früchte waren noch ungenießbar - aber trotzdem. Aber auf den zwei Kochplatten im Ferienquartier wollte ich nun nicht anfangen, einzukochen. Klar, das ist Luxus, der mir ungemütlich ist, aber in dem ich mich dennoch bewege.

Wieder zu Hause kramte ich in dem Nachlass meiner Großmutter und fand auch, wonach ich suchte. Ihr Büchlein „Eingekochtes-Ausgekochtes“ – die Aufzeichnungen aller gefüllter Weck- und Schraubdeckelgläser aus den Jahren 1935 – 1991 mitsamt der getätigten Ausgaben für gekaufte Zutaten, den Orten des Pflückens oder Sammelns, den Namen derer, die schenkten oder verkauften, Wetterbedingungen (Siebenschläfer !) und zeitgeschichtlichen Resümees, außerdem der Nachruf für den 42 Jahre in treuen Diensten gestandenen Wecktopf .

Eine „Perle“  dieses Büchleins möchte ich gerne mit Ihnen teilen:

„Resümee einer Aprikosenfahrt nach Eisleben vom 30./31.8.1980“

Sonnabend

  • 26 Uhr Abfahrt Altenburg -10.15 Uhr Ankunft Eisleben 
  • 37 Uhr Abfahrt Eisleben - 16.12 Uhr Ankunft Altenburg
    = 6 Stunden = 18,-M mit Sonntagsrückfahrkarte D- und E-Zug   
  • geerntet ca. 18 Pfund Aprikosen
  • bis 18.00 Uhr 4 große Weckgläser gefüllt
  • 2 Pfund „Beste“ für Rumtopf präpariert
  • 30 Uhr im Orgelkonzert (200. Todestag Johann Ludwig Krebs)

    in der Schlosskirche / Herzogsloge

Sonntag

  • ab 7.00 Uhr: ca. 6 Pfund als Marmelade verarbeitet
    (gewaschen, halbiert, durch den Wolf gedreht)
  • den Rumtopf gefüllt
  • Radiogottesdienst Deutschlandfunk
  • beim „Glaubensbekenntnis“ Marmelade gerührt
  • beim „Vaterunser“ alles in Gläser gefüllt
  • beim „Unser täglich Brot gib uns heute“ den Schaber abgeleckt

dabei 5 Wespen getötet und weitere mit der Zeitung unter schweren Flüchen verjagt. Sofortige Ahndung der Übertretung des 5. Gebots bei Wespe Nr 14: Stachel in den linken Zeigefinger ….

Ich denke, sie befand sich in guter Gesellschaft mit Teresa von Avila, die ja sagte: Denke daran, dass, selbst wenn du in der Küche bist,
sich Gott zwischen den Töpfen bewegt“. :-)                                           

Claudia Krenzlin

 

 

Wort für den Tag – 13. September 2021

Ich bin zurück. Alles ist wie immer. Der Weg den ich von der Bushaltestelle zu meinem Elternhaus laufe, ist der gleiche. Da ist die ruhige Seitenstraße, die zum Spielplatz führt. Da ist die Hecke, deren weiche Triebe ich oft als Kind berührt habe. Da ist das Nachbargrundstück mit den zwei kleinen Hunden, die alle Vorbeigehenden so wütend ankläffen. Dann mein Elternhaus. Die Rosen sind längst verblüht und die Bäume haben das meiste Laub bereits abgeworfen. In meinem Kinderzimmer befindet sich nicht mehr viel seit meinem Auszug. Dort, wo der Boden nicht ausgeblichen ist, sieht man die Umrisse der Möbel die jahrelang hier ihren Platz hatten. Ich freue mich, hier zu sein. Ich freue mich, nach all den neuen Leuten, wieder bekannte Gesichter zu sehen. Die Gesichter meiner Familie. Doch irgendwas ist anders. Ich sitze in dem Raum, der mal mein Kinderzimmer war und sehe alles noch so vor mir, wie es jahrelang war. Und obwohl es schön ist da zu sein, fühle ich eine tiefe Traurigkeit.

Wie knüpft man an, an ein früheres Leben? Wie macht man weiter, wenn man tief im Herzen zu verstehen beginnt, dass man nicht mehr zurückkann? (aus J.R.R. Tolkien, „Herr der Ringe – Die Rückkehr des Königs“)

Inzwischen fühlt es sich nicht mehr so schwer an, in meine Heimatstadt zurückzukehren. Ich habe verstanden, dass das der Lauf der Dinge ist. Dass Veränderungen unvermeidbar sind, dass das Akzeptieren ihrer schmerzhaft sein kann und dass es Zeit braucht zu erkennen, dass es die Unwiderrufbarkeit der Momente ist, die unser Leben kostbar macht.

Veränderungen sind nicht schlimm. Sie zeigen, dass wir wachsen. Und ja, es kann erschrecken sein eigenes Wachstum zu sehen. Doch ist es letztendlich die natürlichste Sache der Welt.

Veränderung ist ein Teil der Natur und wir sind ein Teil von ihr. 

Friederike Schönherr

Wort für den Tag - 10. August 2021

Haben Sie schon gehört?, spricht mich der Apotheker an.

Von New York? Es ist etwas Furchtbares geschehen.

 

Ohne etwas einzukaufen, gehe ich gleich nach Hause.

Mich begleitet ein bedrückendes Gefühl. Ich schalte das Fernsehgerät ein,

und fassungslos sehe ich die ständige Wiederholung der Bilder des Terroranschlags auf die beiden Türme des World Trade Center.

 

Ich will heute daran erinnern, was sich morgen vor 20 Jahren, am 11. September 2001 ereignet hat.

 

Wahnsinnige Selbstmord-Attentäter haben mit 2 Passagierflugzeugen fast Dreitausend am Beginn ihres Alltags aus heiterem Himmel in den Tod gerissen. Mutwillig flogen sie in die beiden Hochhaus - Türme und begruben die Menschen unter ihren Trümmern.

 

Mir gelingt es erst am Folgetag, ein paar Worte zu finden:

 

sprachlos

die stimme erstickt mir

tränen in meinen augen

fassungslos das entsetzen

terror ohne beispiel

menschen

in der luft entführt

von fanatischen selbsmördern

wahnsinnigen

missbraucht gequält

hingemetzelt zu fliegenden geschossen

ich liege und kann nicht schlafen

nein ich kann nicht beten

diese kriegsbilder lassen mich nicht los

sie mischen sich

mit bildern meiner kinderseele

flammendes inferno in der zerbombten stadt

was soll nun werden was wird geschehen

ich beginne ein bekenntnis zu buchstabieren

ich will widerstehen dem ruf nach vergeltung

menschen anderer weltanschauung und lebensart tolerieren

und mithelfen an einer allianz aller religionen der erde

für den frieden der völker

 

Rolf-Dieter Hansmann

 

Wort für den Tag - 9. September 2021

Gottes Mitarbeiter

Der Lehrtext für die heutige Losung steht im ersten Brief den Paulus an die Korinther und lautet: „Wir sind Gottes Mitarbeiter.“

Mein erster Gedanke dazu war „Wirklich jetzt?“ Jetzt fangen wir in der Kirche auch noch an mit dem Chef und den Mitarbeitern? Haben wir nicht im Alltag schon oft genug die Rolle des Mitarbeiters, der vom Chef gesagt bekommt, was er zu tun und zu lassen hat? Nun kommt Gott also auch noch und sieht uns als seine Angestellten. Wir alle arbeiten für den großen Chef da oben.

Irgendwie passt das ja mal so gar nicht zu meinen Vorstellungen von Gott. Wir sprechen doch sonst immer von einem liebenden Gott, der uns so aufnimmt wie wir sind. Ein Gott, bei dem wir uns auch mal fallen lassen dürfen und nicht immer nur schuften müssen.

Nach etwas längeren Nachdenken, musste ich an all die Mitarbeitenden in unseren Gemeinden denken, die ja schon irgendwie Mitarbeiter in Gottes Kirche sind. Von hauptamtlichen Pfarrern*innen, Kantoren*innen und Gemeindepädagoginnen, den Pfarramtsmitarbeitenden, den Hausmeistern,  über die Kirchenvorstände, den Teamern, Kindergottesdienstgestaltenden, Kirchendiensttuenden, Blumendiensten und noch so vielen anderen mehr. An allen Ecken und Enden wuselt, werkelt, arbeitet es in der Gemeinde. Sie alle sorgen dafür, dass Gemeinde funktioniert. Das es Gruppen und Kreise gibt, wir beim Gottesdienst nicht im Dunkeln sitzen und und und.

Ob Paulus das gemeint hat mit seiner Aussage „Wir sind Gottes Mitarbeiter“? Ich glaube er hat zumindest nicht nur das gemeint. Ich denke es geht Paulus noch um etwas Größeres. Es geht ihm um uns alle. Denn wir alle sind Gottes Mitarbeiter!

Gott selbst wirkt auch durch uns Menschen. Und dann bedeutet Gottes Mitarbeiter sein ich helfe Gott. Ich helfe Gott seine Welt zu gestalten. Dabei gibt Gott uns nur die Richtung vor und steht uns zur Seite. Gestalten können wir ganz allein. Das ist unser Projekt. Das Beste daran ist, wir alle sind dabei gleich wichtig, denn jede*r hat etwas einzubringen. Ein jede*r mit der Gabe, die er oder sie empfangen hat.

Und deshalb können wir voller Stolz sagen: „Ich bin ein*e Mitarbeiter*in Gottes!“ Denn wir haben die Möglichkeit mit Gott gemeinsam an einer Welt zu arbeiten, in der wir uns alle  zuhause und  aufgehoben fühlen. Dabei ist Gott nicht der Chef, der die Aufgaben verteilt, sondern vielmehr ein Partner, der uns bei unseren Vorhaben hilft und unterstützt, wenn wir mal nicht mehr weiter wissen.

Ihr/Euer

Tom Gelf

 

Wort für den Tag - 8. September 2021

Du bist
Gut.
Genug.
Gesegnet.

Diesen Spruch sah ich neulich auf eine Straße gesprüht. Zum Schuljahresbeginn hat das Landesjugendpfarramt diese Worte als Begleitung für alle Schülerinnen und Schüler mitgegeben. Mich haben diese Worte besonders berührt. Gut. Genug. Gesegnet. Als Schülerin hatte ich nie das Gefühl gut oder genug zu sein, obwohl ich eine sehr gute Schülerin war. In meinem Elternhaus war Leistung enorm wichtig. Dabei kam der Leistungsdruck aus der tiefen Erfahrung meiner Mutter heraus, selbst nicht gut und genug zu sein. Nach der Wende hatte sie trotz hervorragender Leistungen wie so viele andere ihre Arbeit, ja ihren ganzen Beruf verloren. Aus Angst, dass es mir später auch so gehen könnte, trieb sie mich an. Dabei zählt so viel mehr im Leben. Das, was man mit anderen erlebt und für andere tut. Auch das, was man mit Gott erlebt. Gott spricht uns das zu: Wir sind gut, genug und gesegnet. Er liebt uns auch mit schlechten Leistungen, denn er sieht in unser Herz. Ich wünsche uns allen, dass wir uns das bewusst machen können, wann immer wir es brauchen. Als Erinnerung bietet das Landesjugendpfarramt Postkarten an, die man sich über den Schreibtisch hängen kann: www.evjusa.de/projekte/schulstartaktion.


(Foto: EvJuSa)

Diese Webseite verwendet Cookies, um die Benutzerfreundlichkeit zu erhöhen. Durch die weitere Nutzung der Webseite stimmen Sie der Verwendung von Cookies zu.